Digitaler Euro: EU treibt Vorbereitung voran

Die Europäische Union und die Europäische Zentralbank (EZB) arbeiten intensiv an der Einführung eines digitalen Euro. Dieses digitale Zahlungsmittel soll das Bargeld ergänzen und eine souveräne europäische Alternative zu globalen Bezahldiensten bieten. Ziel ist es, die strategische Autonomie Europas im Zahlungsverkehr zu stärken.

Der digitale Euro soll als Ergänzung zum Bargeld dienen und den Bedürfnissen einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft gerecht werden. Er zielt darauf ab, das Bezahlen im Internet, im Geschäft und grenzüberschreitend zu erleichtern und eine europäische Alternative zu dominierenden Drittanbieter-Zahlungsdiensten wie Visa, Mastercard und PayPal zu schaffen. Die EU-Kommission hat im Juni 2023 einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt, um die strategische Autonomie Europas im Zahlungsverkehr zu sichern.

Ein zentrales Anliegen ist ein hohes Maß an Privatsphäre, das bei Offline-Zahlungen ein vergleichbares Datenschutzniveau wie Bargeld bieten soll. Bei Online-Transaktionen wird ein ähnliches Datenschutzniveau wie bei bestehenden digitalen Zahlungen angestrebt, wobei Geldwäscheprävention berücksichtigt wird. Kritiker sehen hier jedoch noch Nachbesserungsbedarf, insbesondere bei Online-Transaktionen.

Eine wichtige Funktion ist die Möglichkeit, auch offline, also ohne Internetverbindung, Zahlungen durchführen zu können. Dies erhöht die Resilienz des Systems und fördert finanzielle Inklusion.

Der Gesetzesentwurf sieht ein Haltelimit für digitale Euro in Wallets vor, dessen genaue Höhe noch festgelegt wird, diskutiert wird eine Spanne von 500 bis 3.000 Euro. Für größere Beträge ist ein ‚Wasserfallsystem‘ zur Verknüpfung mit dem Bankkonto in Entwicklung. Eine Verzinsung des digitalen Euro ist nicht geplant, ebenso wenig wie eine Programmierbarkeit, um seinen Charakter als echtes Geld zu wahren.

Die EZB hat im Oktober 2023 eine zweijährige Vorbereitungsphase bis Ende Oktober 2025 gestartet. Der Gesetzgebungsprozess soll voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen sein. Eine mögliche Ausgabe des digitalen Euro ist für 2029 vorgesehen, mit Pilotprojekten und ersten Transaktionen ab Mitte 2027, abhängig von der Gesetzgebungsannahme.

Die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken sind für die Ausgabe und Infrastruktur zuständig. Die Verteilung und Kundenverwaltung erfolgt weiterhin über Banken und Zahlungsdienstleister, die verpflichtet werden, Basisdienstleistungen anzubieten, um die flächendeckende Akzeptanz zu gewährleisten.