Ethereum: Rekord-Transaktionen, aber Spam trübt das Bild

Ethereum verzeichnete Anfang 2026 eine beispiellose On-Chain-Aktivität mit Rekordzahlen bei täglichen Transaktionen. Jüngste Analysen deuten jedoch darauf hin, dass ein erheblicher Teil dieses Wachstums künstlich durch Spam-Aktivitäten erzeugt wurde.

In den ersten Wochen des Jahres 2026 erreichte das Ethereum-Hauptnetzwerk beeindruckende Höchststände bei der Netzwerkaktivität. Am 14. Januar 2026 wurden 2.595.176 tägliche Transaktionen verzeichnet, während bereits am 29. Dezember 2025 über 2,23 Millionen Transaktionen an einem einzigen Tag registriert wurden. Auch die Zahl neu hinzugefügter Adressen stieg am 14. Januar 2026 auf 481.481, was auf eine hohe Netzwerknutzung hindeutet.

Trotz dieser Rekordzahlen gab es Anzeichen, die darauf hindeuteten, dass das Wachstum nicht unbedingt auf echter Nutzernachfrage beruhte. Die Kursentwicklung von Ether (ETH) zeigte keine entsprechende positive Korrelation. On-Chain-Forscher Andrei Sergeenkov brachte einen Großteil der erhöhten Aktivität mit einer umfassenden „Adressvergiftungs-Kampagne“ in Verbindung.

Bei dieser Methode fluten Betrüger Wallets mit winzigen Stablecoin-Transfers, um die Transaktionszahlen ohne echtes Nutzerengagement aufzublähen.

Sergeenkovs Analyse zeigte, dass ein signifikanter Anteil der neu aktiven Adressen, genauer gesagt etwa 67% von einer Stichprobe von 5,78 Millionen Adressen, weniger als 1 US-Dollar als erste Überweisung erhielt. Dieses Muster deutet stark auf automatisiertes „Dusting“ hin, bei dem geringste Beträge versendet werden, um Wallets zu markieren oder zu spammen, anstatt auf organisches Wachstum durch neue Nutzer.

Diese manipulative Aktivität erschwert die korrekte Interpretation der Rekordkennzahlen von Ethereum. Es ist unklar, ob die erhöhte Transaktionsanzahl eine tatsächliche Steigerung der Nachfrage nach Blockspace oder dezentralen Anwendungen signalisiert. Die Angreifer nutzen die Ähnlichkeit ihrer erstellten Adressen zu echten Wallets und die Gefahr von Nutzerfehlern (Copy-Paste) aus. Bis Mitte Januar 2026 beliefen sich die geschätzten Verluste durch solche Angriffe auf rund 740.000 US-Dollar.

Ein entscheidender Faktor, der diese Spam-Angriffe begünstigt, sind die seit dem „Fusaka-Upgrade“ im Dezember gesunkenen Transaktionsgebühren. Diese Kostensenkung macht groß angelegte Spam-Transaktionen, die zuvor unwirtschaftlich waren, nun finanziell attraktiv und ermöglicht deren Durchführung in einem Ausmaß, das zuvor nicht praktikabel war.