Der Streit um Zinszahlungen auf Stablecoins eskaliert und offenbart tiefergehende Konflikte über die Zukunft des Finanzwesens und die Rolle der Regulierung. Es geht um die Balance zwischen kryptowährungsbasierter Innovation und der Stabilität traditioneller Finanzsysteme.
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos entfachte eine Debatte über Renditen von Stablecoins. Brian Armstrong, CEO von Coinbase, forderte Zinszahlungen für Inhaber von dollargebundenen Kryptowährungen und verwies auf den digitalen Yuan Chinas als Wettbewerbsmaßstab. François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Bank von Frankreich, verteidigte das traditionelle Bankensystem und warnte, dass private Token mit Zinsangeboten die Einlagen und die Kreditvergabe destabilisieren könnten. Er betonte, dass die Finanzstabilität ein vorrangiges öffentliches Ziel sei.
Großbanken befürchten erhebliche Kapitalabflüsse, wenn Stablecoins ihren Nutzern Zinsen zahlen dürften. Dies wurde als Schlüsselpunkt in der Debatte um die Krypto-Regulierung in den USA identifiziert.
Die Möglichkeit, mit Stablecoins Renditen zu erzielen, wird als direkte Konkurrenz zum Einlagengeschäft von Banken wahrgenommen. Ein Gesetzesentwurf zur Marktstruktur von Kryptowährungen in den USA wurde mutmaßlich unter dem Einfluss großer Banken auf Eis gelegt, die ihr Kerngeschäft schützen wollen.
Die Meinungsverschiedenheit in Davos spiegelt einen globalen Wettlauf wider, bei dem über 130 Länder digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) prüfen. Regulierungsbehörden weltweit schaffen Rahmenbedingungen. Die EU hat mit der MiCA-Verordnung eine Grundlage für Krypto-Token und Stablecoins geschaffen. In den USA ist seit Juli 2025 der GENIUS Act zur Stablecoin-Regulierung in Kraft. Diese Regulierungen sollen auch die Nutzung von Stablecoins zur Umgehung von Sanktionen eindämmen.
Vitalik Buterin, Mitbegründer von Ethereum, sieht Stablecoins als ein wichtiges Schlachtfeld zwischen Befürwortern der Krypto-Privatsphäre und Institutionen. Regierungen streben nach digitaler Währung mit Kontrolle über Risiko und Compliance, während Datenschutzwerkzeuge für Nutzer verbessert werden. Der Grad der Dezentralisierung bei DeFi-Anwendungen ist dabei eine Herausforderung für Regulierungsbehörden.
Der Kampf um die Stablecoin-Rendite ist ein Symptom eines tiefergehenden Konflikts über die Kontrolle des Finanzsystems und die zukünftige Gestaltung des Geldes.




