Deloitte warnt vor T+0-Abwicklung und Marktmanipulation

Die Beratungsgesellschaft Deloitte warnt vor einem kritischen „blinden Fleck“ bei der Einführung von T+0-Abwicklungen, die durch die Tokenisierung von Wertpapieren vorangetrieben werden. Ohne angepasste Überwachungsmechanismen könnte dies Marktmanipulationen erheblich erleichtern und die Bekämpfung erschweren, so die Analyse.

Deloitte hebt in seinem Ausblick für 2026 die T+0-Abwicklung als zentrales Thema hervor. Die Beschleunigung der Abwicklungszeiten, insbesondere durch tokenisierte Wertpapiere und Stablecoins, birgt ohne entsprechende Anpassungen der Überwachungsmechanismen das Risiko eines gefährlichen „blinden Flecks“. Dies könnte die effektive Bekämpfung von Marktmanipulationen erheblich erschweren.

Roy Ben-Hur und Meghan Burns von Deloitte & Touche LLP sehen den wahrscheinlichsten Weg für die Tokenisierung über begrenzte Pilotprojekte, die Kompromisse aufzeigen, bevor umfassendere Änderungen verpflichtend werden.

Die Tokenisierung von Vermögenswerten verspricht erhebliche Vorteile wie schnellere Abwicklung (Atomic Settlement), höhere Effizienz, Transparenz und geringere Betriebskosten. Eine Studie der GFMA prognostiziert jährliche globale Betriebskosteneinsparungen von 15 bis 20 Milliarden US-Dollar. Finanzdienstleister schätzen zudem, dass die Tokenisierung in diesem Jahrzehnt Billionen von US-Dollar an neuem Wert generieren könnte.

Trotz dieser Vorteile warnt Deloitte vor unbeabsichtigten Folgen einer erhöhten „Geldgeschwindigkeit“. Dazu zählen ein schnelleres Einsetzen von Finanzkrisen, eine beschleunigte Ausführung von Finanzbetrugsfällen und kürzere Zeitfenster für geldpolitische Entscheidungen. Regulierungsbehörden sehen zudem einen Mangel an Transparenz bei Konzentrationsrisiken, Liquiditätsrisiken und synthetischen Hebelrisiken in privaten Fonds.

Für die vollständige Realisierung des Potenzials von DLT und Tokenisierung sind die Integration eines zuverlässigen „Cash-on-Ledger“-Frameworks und die Interoperabilität zwischen Systemen entscheidend. Diese stellen derzeit noch erhebliche Herausforderungen dar.