KI-Agenten: Visa & Coinbase gestalten zwei Zukünfte

Zwei Giganten der Finanztechnologie, Visa und Coinbase, bereiten sich auf eine Zukunft vor, in der KI-Agenten einen Großteil der Online-Transaktionen abwickeln werden. Ihre unterschiedlichen Strategien könnten jedoch zu zwei fundamental verschiedenen digitalen Ökosystemen führen.

Experten und Branchenführer prognostizieren, dass KI-Agenten bald die Anzahl der von Menschen getätigten Online-Transaktionen übertreffen werden. Schätzungen zufolge könnten KI-Agenten bis 2030 weltweit einen Verbraucherhandelswert von 3 bis 5 Billionen US-Dollar vermitteln. Ein zentraler Treiber für die Notwendigkeit einer neuen Infrastruktur sind Mikrozahlungen: Wenn ein KI-Agent spezialisierte Dienste wie GPU-Rechenzeit oder Echtzeit-Datenfeeds aufruft, können die Kosten pro Aufruf nur Bruchteile eines Cents betragen. Solche Mikrozahlungen sind auf herkömmlichen Kartensystemen unwirtschaftlich, auf Blockchain-Netzwerken jedoch einfach umzusetzen.

Visa verfolgt einen Integrationsansatz, indem es KI-Agenten in seine bestehenden Zahlungssysteme einbindet. Die Initiative „Visa Intelligent Commerce“ zielt darauf ab, Entwicklern und Unternehmen die Nutzung des Visa-Zahlungsnetzwerks für KI-gesteuerte Transaktionen zu ermöglichen. Im Oktober 2025 wurde das „Trusted Agent Protocol“ eingeführt, um einen sicheren Austausch zwischen KI-Agenten und Händlern zu gewährleisten. Dieses Protokoll fokussiert sich auf die Absicht des Agenten, die Identität des Verbrauchers und die Übermittlung von Zahlungsinformationen, wobei Tokenisierung und Authentifizierungs-APIs zur Sicherheit beitragen.

Ryan McInerney, CEO von Visa, betonte, dass neue Zahlungsweisen ein sicheres, skalierbares und innovatives Netzwerk benötigen.

Coinbase hingegen setzt auf eine Blockchain-basierte Infrastruktur für eine neue „Agentenökonomie“. Die Begründung ist, dass KI-Agenten keine traditionellen Bankkonten eröffnen können, da sie keine Identitätsprüfungen durchlaufen können, während Krypto-Wallets nur einen privaten Schlüssel benötigen. Coinbase positioniert sein Layer-2-Netzwerk Base als „Onchain-Heimat für KI“.

Ein Kernstück von Coinbases Strategie ist „x402“, ein offenes Zahlungsprotokoll, das Stablecoin-Zahlungen direkt in HTTP-Anfragen integriert. Dies ermöglicht Agenten, Paywalls zu überwinden und Aufgaben ohne menschliches Eingreifen fortzusetzen. Ergänzend stellte Coinbase im Februar 2026 „Agentic Wallets“ vor, Krypto-Wallets, die speziell für KI-Agenten entwickelt wurden und autonome Ausgaben-, Verdienst- und Handelsfunktionen ermöglichen.

Coinbase interne Nutzung von KI zeigt, dass bereits 40 Prozent seines Codes von KI generiert werden, mit einer Erwartung von über 50 Prozent bis Oktober 2025.

Die wahrscheinlichste Zukunftsvision sieht eine Aufspaltung vor: Regulierte Transaktionen werden über traditionelle Kartensysteme abgewickelt, während maschinelle Zahlungen, wie Agenten, die andere Agenten beauftragen, zu Stablecoins migrieren werden, um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Die entscheidende Frage bleibt, welcher dieser Bereiche letztendlich größer sein wird.