Obwohl Decentralized Finance (DeFi) als dezentrales Finanzsystem konzipiert wurde, offenbart die Praxis zunehmend eine unvermeidliche Zentralisierung. Experten sprechen von einer „Dezentralisierungsillusion“, da strategische und operative Entscheidungen oft in den Händen weniger liegen.
Ein zentraler Faktor für die Zentralisierung in DeFi ist die Notwendigkeit einer zentralen Governance. Diese Entscheidungen werden typischerweise von einer kleinen Gruppe von Stakeholdern, wie Kernentwicklern oder großen Token-Inhabern, getroffen. Admin-Keys ermöglichen es diesen Kernteams, Smart Contracts anzupassen oder im Notfall Protokolle zu stoppen. Auch Blockchain-Konsensmechanismen können die Machtkonzentration begünstigen, indem sie großen Coin-Inhabern oder Validatoren mehr Einfluss gewähren.
Große Token-Inhaber oder Validatoren können durch Konsensmechanismen überproportionalen Einfluss auf DeFi-Protokolle gewinnen.
Viele DeFi-Protokolle sind zudem von zentraler Infrastruktur abhängig. Dazu zählen Orakel-Anbieter für externe Daten und zentralisierte Börsen für Liquidität. Diese Abhängigkeiten stellen einzelne Fehlerquellen und Angriffspunkte dar. Ein weiterer zentralisierender Aspekt ist die starke Nutzung von Stablecoins wie USDC, deren zugrundeliegende Vermögenswerte von zentralen Unternehmen kontrolliert werden.
Die anfängliche Entwicklung von DeFi-Plattformen ist fast immer zentralisiert. Zwar ist das Ziel eine schrittweise Dezentralisierung, doch der Grad der Umsetzung variiert stark. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hebt hervor, dass DeFi aufgrund von Governance-Bedarf und strukturellen Merkmalen, die zu Machtkonzentrationen führen, einer „Dezentralisierungsillusion“ unterliegt.
Die BIZ betont, dass DeFi wegen des Bedarfs an Governance und Machtkonzentrationen einer „Dezentralisierungsillusion“ unterliegt.
Um die Grenzen von Smart Contracts zu kompensieren, die nicht direkt auf reale Daten zugreifen können, müssen DeFi-Systeme menschlich gesteuerte Eingriffe wie Admin-Keys, Upgrade-Pfade und Notfallkontrollen implementieren. Solche „Pause-Funktionen“, die von einer einzelnen Wallet oder einer kleinen Gruppe gesteuert werden, können im Extremfall Benutzer von ihren Geldern ausschließen und untergraben somit das Versprechen vertrauensloser Systeme.




