Die aktuelle Steuerlücke im Bereich der dezentralisierten Finanzen (DeFi) in Europa ist eine bewusste regulatorische Entscheidung, die jedoch nicht von Dauer sein wird. Ein ehemaliger OECD-Berater erklärt, dass die EU zunächst auf zentralisierte Akteure abzielt, bevor DeFi stärker reguliert wird.
Die Europäische Union hat mit ihrem neuen Rahmenwerk für die Meldung von Krypto-Transaktionen die Bereiche priorisiert, die von Regierungen unmittelbar durchgesetzt werden können. Dies bedeutet, dass DeFi-Aktivitäten vorerst ausgenommen sind. Diese Lücke ist laut Colby Mangels, ehemaliger OECD-Berater und globaler Leiter für Regierungslösungen bei Taxbit, kein Versehen, sondern ein gezielter Fokus. Die DAC8-Richtlinie verpflichtet zentrale Krypto-Börsen und Verwahrstellen ab 2026 zur Datensammlung, während DeFi unberührt bleibt.
Es ist wenig sinnvoll, von Einzelpersonen detaillierte Steuerberichte für Krypto-Transaktionen zu verlangen, wenn keine Intermediäre involviert sind, die dies geschäftsmäßig tun.
Die Strategie der Regulierungsbehörden zielt darauf ab, zunächst die Intermediäre zu erfassen, die das Geschäft betreiben. Das Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) der OECD definiert den Standard für die Krypto-Steuermeldung und regelt Datensammlung und -austausch.
Sowohl die OECD als auch die Financial Action Task Force (FATF) deuten an, dass geografische und strukturelle Lücken bei der Besteuerung und Regulierung von DeFi nur temporär sind. Eine Ausweitung der Regulierung auf DeFi-Protokolle wird daher erwartet.
Die MiCA-Verordnung der EU, die ab Ende 2024 greift, schafft einen einheitlichen regulatorischen Rahmen für Kryptowerte. Sie führt zwar keine direkten ‚MiCA-Steuern‘ ein, etabliert aber Kryptowerte als steuerlich relevante Wirtschaftsgüter. Ab dem 1. Januar 2026 ergänzen die DAC8-Regelungen MiCA, indem sie die steuerliche Erfassung von Krypto-Transaktionen, einschließlich DeFi-Einnahmen, durch automatischen Informationsaustausch zwischen Plattformen und Finanzbehörden regeln.
Experten beobachten eine klare Tendenz zu stärkerer Regulierung und Besteuerung von DeFi innerhalb Europas, obwohl die spezifischen Steuergesetze von Land zu Land variieren.




