Stablecoins: Banken warnen vor Bank-Runs, Regulierer sehen Risiken

Banken äußern wachsende Bedenken hinsichtlich potenzieller „Bank-Runs“ bei Stablecoins. Sie befürchten, dass diese digitalen Währungen erhebliche Einlagen aus dem traditionellen Bankensystem abziehen könnten, was die Kreditvergabe beeinträchtigen würde. Regulierungsbehörden erkennen zwar Risiken an, schätzen die Auswirkungen auf die Finanzstabilität jedoch oft als beherrschbar ein.

Besonders mittelgroße Regionalbanken könnten durch zinstragende Stablecoins, die Einlagen in Höhe von bis zu 6,6 Billionen US-Dollar aus dem traditionellen Bankensystem abziehen könnten, anfällig werden. Dies könnte zu höheren Zinssätzen und einer eingeschränkten Kreditverfügbarkeit führen, so die Sorge einiger US-Bankengruppen. Auch Brian Moynihan, CEO von Bank of America, hat die Sorge geäußert, dass traditionellen Geschäftsbanken Einlagen entzogen werden könnten.

Ein „Bank-Run“ bei Stablecoins könnte dazu führen, dass Emittenten ihre Reserven wie Staatsanleihen schnell liquidieren müssten, was den gesamten Finanzmarkt erfassen könnte.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnte vor einem solchen Szenario und sprach sich entschieden gegen die „Multi-Issuance“ von Stablecoins aus, bei der ein Stablecoin durch mehrere Emittenten in verschiedenen Jurisdiktionen ausgegeben wird. Ähnlich warnte die Europäische Zentralbank (EZB) vor Risiken für die Banken in der Eurozone durch den Abzug von Geldern zur Investition in Stablecoins, was eine wichtige Finanzierungsquelle für Kreditinstitute schwinden ließe.

Im Gegensatz dazu wies der US-Regulierer Office of the Comptroller of the Currency (OCC), Jonathan Gould, Befürchtungen zurück, Stablecoins könnten eine plötzliche Bankenkrise auslösen. Er hält das Risiko eines Einlagenabzugs für überbewertet und unwahrscheinlich, dass es unbemerkt geschehen würde. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hob zudem Risiken einer Währungssubstitution in Ländern mit instabilen Fiat-Währungen hervor.

Stablecoins sind digitale Währungen, die ihren Wert an eine staatliche Währung koppeln und durch reale, sichere Anlagen gedeckt sind. Deren Marktkapitalisierung wuchs 2025 dynamisch von rund 200 Milliarden US-Dollar auf über 307 Milliarden US-Dollar im Oktober. Hauptsächlich werden sie als Verrechnungswährung im Kryptomarkt genutzt, gefolgt von schnellen und kostengünstigen Auslandsüberweisungen.

Kritiker der Bankenposition, wie der CEO von Circle, Jeremy Allaire, bezeichnen die Sorgen vor Bank-Runs als „völlig absurd“. Coinbase argumentierte, dass die Annahme der Einlagenerosion ein Mythos sei, der die Einnahmen der Banken schütze, und fand keine signifikante Korrelation zwischen Stablecoin-Adoption und Einlagenabzug.