US-Banken blicken mit Sorge auf die wachsende Beliebtheit von Stablecoins. Diese digitalen Währungen könnten eine erhebliche Bedrohung für das traditionelle Einlagengeschäft darstellen und damit die Grundlage der Kreditvergabe gefährden. Insbesondere zinstragende Stablecoins wecken die Besorgnis von Bankern.
Die Hauptsorge der US-Banken gilt zinstragenden Stablecoins. Sie befürchten, dass diese Kapital von klassischen Girokonten abziehen könnten. Das traditionelle Bankmodell, das auf der Differenz zwischen niedrig verzinsten Einlagen und höher verzinsten Krediten basiert, gerät dadurch unter Druck. Schätzungen zufolge könnten bis zu 6,6 Billionen US-Dollar aus dem Bankensystem abfließen, was rund 36 Prozent der gesamten Bankeinlagen entspräche.
Ein solcher Einlagenabzug würde die Kreditvergabekapazität der Banken erheblich einschränken und sie dazu zwingen, sich über teurere Großhandelsfinanzierungen zu refinanzieren.
Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert an eine stabile Referenz, meist den US-Dollar, gebunden ist. Sie bieten mehrere Vorteile: Sie können attraktive Erträge (Rewards) bieten, sind oft schneller und kostengünstiger in der Transaktion und 24/7 verfügbar. Zudem sind sie durch Vermögenswerte höchster Bonität wie US-Staatsanleihen gedeckt, was ihnen eine strukturelle Sicherheit verleiht.
Die US-Regierung hat mit Gesetzen wie dem GENIUS Act und dem CLARITY Act versucht, einen Regulierungsrahmen zu schaffen. Ein zentraler Streitpunkt ist die Frage, ob Stablecoins Zinsen zahlen dürfen. Die Bankenlobby setzt sich intensiv für ein Zinsverbot ein, um Einlagenabflüsse zu verhindern. Der GENIUS Act untersagt Emittenten bereits, Zinsen auf Stablecoins zu zahlen.
Der Markt für Stablecoins ist in den letzten Jahren stark gewachsen und liegt aktuell bei über 200 Milliarden US-Dollar im Umlauf, mit Prognosen, die bis 2026 über eine Billion US-Dollar erwarten lassen. Während Banken die Disintermediation fürchten, sehen sie auch Chancen: So signalisierte der CEO der Bank of America, dass seine Bank bereit sei, eigene Stablecoins zu emittieren, sollten regulatorische Reformen dies erlauben.




