Südkorea: Neue Krypto-Beschlagnahmungsregeln nach Pannen

Nach mehreren schwerwiegenden Verlusten von beschlagnahmten Kryptowährungen hat Südkorea neue strenge Richtlinien zur Verwaltung digitaler Vermögenswerte durch Strafverfolgungsbehörden eingeführt. Ziel ist es, die Sicherheit zu erhöhen und zukünftige Pannen zu verhindern, nachdem es zu Verlusten in Millionenhöhe gekommen war.

Die Notwendigkeit dieser neuen Regeln ergab sich aus mehreren Vorfällen, bei denen staatliche Stellen die Kontrolle über beschlagnahmte Kryptowährungen verloren. So veröffentlichte der Nationale Steuerdienst (NTS) im März 2026 versehentlich eine Seed-Phrase, was zum Verlust von rund 4 Millionen Pre-Retogeum (PRTG) im Wert von etwa 4,8 Millionen US-Dollar führte. Die südkoreanische Regierung betonte, keine digitalen Vermögenswerte zu Investitionszwecken zu halten, sondern lediglich solche, die im Rahmen von Strafverfolgungsmaßnahmen beschlagnahmt wurden.

Weitere Verluste verzeichnete die Polizeistation Gangnam, die 22 Bitcoin im Wert von rund 1,4 Millionen US-Dollar verlor, da die Coins in einer Drittanbieter-Wallet verwahrt wurden, deren Seed-Phrase der Polizei nicht vorlag. Bereits zuvor, im November 2021, waren der gleichen Station beschlagnahmte Bitcoin verloren gegangen, als deren Wiederherstellungsphrase in falsche Hände geriet. Auch die Staatsanwaltschaft von Gwangju verlor durch eine Phishing-Attacke vorübergehend die Kontrolle über 320 Bitcoin im Wert von über 20 Millionen US-Dollar.

Die südkoreanische Polizei beschlagnahmte in den letzten fünf Jahren Krypto-Assets im Wert von rund 54,5 Milliarden Won, darunter signifikante Mengen an Bitcoin und Ethereum.

Als Reaktion auf diese Defizite wurde eine behördenübergreifende Untersuchung der Kryptoverwahrung unter der Leitung von Vize-Premierminister Koo Yun-cheol angeordnet. Diese soll Schwachstellen aufdecken und die aktuellen Rahmenbedingungen zur Verwaltung digitaler Vermögenswerte verbessern.

Die Nationale Polizeibehörde hat erste Richtlinien für die Verwaltung von Privacy Coins (auch als „Dark Web Coins“ bekannt) herausgegeben. Diese sind Teil eines Entwurfs zur Regulierung der Beschlagnahmung von Krypto-Assets und beinhalten auch Regeln für die Verwaltung von Software-Wallets. Die Polizei wies darauf hin, dass die Verwaltung von Privacy Coins über Hardware-Wallets komplex ist und eine spezielle Strategie erfordert.

Das Oberste Gericht Südkoreas veröffentlichte zudem ein Handbuch für die Verwaltung beschlagnahmter Kryptowährungen. Eine zentrale Vorschrift besagt, dass Beamte öffentliche Wallet-Adressen nur zur Guthabenprüfung auf offiziellen Websites nutzen dürfen und private Schlüssel oder Seed-Phrases niemals online eingeben dürfen, um Phishing zu vermeiden.