Tether: Segen und Fluch für sanktionierte Länder

Stablecoins wie Tether (USDT) weisen eine zweischneidige Natur auf, insbesondere für Länder unter internationalen Sanktionen wie Venezuela und Iran. Sie ermöglichen finanzielle Transaktionen, werden aber auch zur Sanktionsumgehung genutzt.

Venezuela, das stark von Ölexporten abhängig ist und unter hoher Inflation sowie US-Sanktionen leidet, nutzt Tether intensiv. Die staatliche Ölgesellschaft PdVSA setzt USDT seit 2020 zur Umgehung von Sanktionen ein, da traditionelle Bankwege blockiert sind. Berichten zufolge werden fast 80 % der Rohölverkäufe des Landes über Stablecoins wie USDT abgewickelt. Ab April 2024 musste bei Spot-Geschäften mit PdVSA etwa die Hälfte des Warenwerts als Vorauszahlung in USDT geleistet werden. Über das staatliche Geschäft hinaus nutzen venezolanische Bürger USDT zunehmend im Alltag als Alternative zur eigenen Währung.

„Tether gibt an, alle geltenden US-amerikanischen und internationalen Sanktionen einzuhalten und arbeitet eng mit US-Behörden zusammen.“

Auch im Iran ist die Nutzung von Tether zur Sanktionsumgehung ein Thema. Eine Sperrung von 112 Wallets mit rund 700 Millionen US-Dollar in USDT auf der Tron-Blockchain verstärkte Bedenken. Irans größte Kryptoplattform Nobitex spielt dabei eine Rolle. Tether setzte am 2. Juli 2025 42 Adressen, die mit Irans Revolutionsgarden in Verbindung gebracht wurden, auf die schwarze Liste und fror 1 Milliarde US-Dollar in USDT ein. Israel beschlagnahmte 1,5 Milliarden US-Dollar in USDT auf 187 Wallets, wovon Tether am 13. September 2025 39 Adressen sperrte. Es wird berichtet, dass Tausende Adressen im Tether-Netzwerk von iranischen Nutzern eingefroren wurden. Die iranische Zentralbank erließ neue Vorschriften zur Einschränkung von Stablecoins.

Stablecoins sind digitale Währungen, deren Wert an einen stabilen Vermögenswert gekoppelt ist, meist den US-Dollar. Ihre Vorteile sind die leichtere grenzüberschreitende Nutzung, geringere Wertschwankungen und ihre Funktion als Brückenmittel zwischen Fiat- und Kryptowährungen. Diese Eigenschaften machen sie aber auch attraktiv für illegale Aktivitäten.

„Ein Großteil des Wachstums bei illegalen Krypto-Transaktionen ist auf sanktionierte Akteure zurückzuführen, die Gelder über die Blockchain bewegen.“

Im Jahr 2025 erreichten illegale Krypto-Transaktionen einen Rekordwert von 154 Milliarden US-Dollar. Stablecoins dominieren den Großteil der erfassten illegalen Krypto-Aktivitäten. Obwohl Transaktionen auf der Blockchain nachvollziehbar sind, ist die Identifizierung der Zahler oft schwierig. Die Fähigkeit von Emittenten wie Tether, Gelder einzufrieren, wirft Fragen hinsichtlich der Dezentralisierung und Zensurresistenz auf.