Verzinster Digital-Yuan: China fordert den US-Dollar heraus

China weitet die Funktionalität seines digitalen Yuan (e-CNY) ab 2026 um Zinszahlungen aus. Diese strategische Neuerung könnte die Regulierung von Stablecoins in den USA unter Druck setzen und die globale digitale Währungslandschaft neu gestalten. Es ist ein bedeutender Schritt, um die internationale Akzeptanz zu fördern und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.

Ab dem 1. Januar 2026 werden zehn große chinesische Banken Zinsen auf verifizierte digitale Yuan-Guthaben anbieten. Der Zinssatz wird voraussichtlich bei etwa 0,05 % liegen. Diese Maßnahme markiert eine Abkehr vom ursprünglichen Konzept des e-CNY als reines Bargeldersatz ohne Rendite. Die digitale Währung wird damit von der Kategorie „M0“ (Bargeld) in „M1“ (Geldnahe Ersparnisse) umklassifiziert. Dies bedeutet, dass Guthaben auf realnamenverifizierten Wallets als Verbindlichkeiten von Geschäftsbanken gelten, in die Mindestreserveanforderungen einbezogen werden und dem nationalen Einlagensicherungssystem unterliegen.

Die Beweggründe Chinas sind vielfältig: Die Akzeptanz des digitalen Yuan soll gesteigert und seine Integration in das Finanzsystem vertieft werden. Bis November 2025 wurden bereits über 3,48 Milliarden Transaktionen mit einem Wert von 16,7 Billionen Yuan abgewickelt. Über 230 Millionen persönliche und fast 19 Millionen Firmen-Wallets wurden eröffnet. Gleichzeitig positioniert China den zinstragenden e-CNY als Kernstück seines „Internationalen RMB-Operationszentrums“ in Shanghai und plant Pilotprojekte mit Ländern wie Singapur, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten, um den internationalen Handel mit dem Yuan zu fördern und die globale Dollar-Dominanz zu reduzieren.

Die Zinskomponente des digitalen Yuan setzt die USA unter Zugzwang bezüglich ihrer Stablecoin-Regulierungen. Aktuelle US-Gesetze, wie der GENIUS Act, verbieten Stablecoin-Emittenten Zinszahlungen auf Bestände. Branchenvertreter wie Faryar Shirzad von Coinbase sehen darin einen Wettbewerbsnachteil, da sie befürchten, dass dies den Einfluss der USA im Bereich digitaler Vermögenswerte schwächen könnte.

Brian Armstrong, CEO von Coinbase, betont, dass Zinszahlungen auf Stablecoins die Attraktivität digitaler Dollar global erhöhen würden. Er warnt, dass regulatorische Beschränkungen die USA im Wettbewerb mit anderen Staaten zurückfallen lassen könnten, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung digitaler Währungen als nationale Sicherheitsfrage, die die zukünftige globale Währungshierarchie prägen könnte.

Mit der Einführung von Zinsen wird der digitale Yuan von einer „M0“-Kategorie in „M1“ umklassifiziert und erhält Einlagensicherungsstatus.

Chinas Ziel ist die Reduzierung der globalen Dollar-Abhängigkeit und die Etablierung eines multipolaren Währungssystems mit dem digitalen Yuan als Basis.