Yen-Stärke: Wie der Carry Trade Bitcoin beeinflusst

Der japanische Yen spielt eine unerwartete Rolle am Kryptomarkt. Ein starker Yen kann durch die Auflösung des Yen Carry Trade zu erheblichen Kursverlusten bei Bitcoin führen, da Anleger gezwungen sind, risikoreiche Anlagen zu verkaufen, um ihre Yen-Kredite zu bedienen. Dieses Phänomen verdeutlicht die zunehmende Korrelation von Bitcoin mit traditionellen Finanzmärkten.

Der Yen Carry Trade war über Jahrzehnte eine lukrative Strategie für Anleger. Sie nutzten die niedrigen Zinsen in Japan, um Yen zu leihen und in lukrativere Anlagen im Ausland zu investieren. Schätzungen zufolge beliefen sich die Yen-finanzierten Positionen Mitte 2025 auf über 3,4 Billionen US-Dollar, mit einem globalen Engagement von bis zu 20 Billionen US-Dollar.

Steigende Zinsen in Japan oder eine schnelle Aufwertung des Yen machen Yen-Kredite teurer und schmälern die Profitabilität des Carry Trade, was Verkaufsdruck auslöst.

Wenn der Yen an Wert gewinnt oder die Zinsen in Japan steigen, sind Händler gezwungen, ihre risikoreichen Anlagen wie Bitcoin und Aktien zu verkaufen, um ihre Yen-Kredite zurückzuzahlen. Dies führt zu einem Liquiditätsengpass und Verkaufsdruck auf spekulative Anlagen. Insbesondere Bitcoin reagiert empfindlich auf solche Liquiditätsverschiebungen.

Ein konkretes Beispiel ereignete sich im Dezember 2025, als die Bank of Japan ihren Leitzins auf 0,75 % anhob. Dies führte zu Turbulenzen an den globalen Märkten und einem kurzzeitigen Fall des Bitcoin-Kurses in Richtung 88.000 Dollar.

Bereits im August 2024 führte ein starker Yen-Anstieg zu einem Bitcoin- und Ethereum-Rückgang von bis zu 20 % innerhalb weniger Stunden.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) dokumentierte solche Ereignisse als Fallstudien für erzwungenes Deleverage. Frühere Zinserhöhungen der BoJ (März, Juli und Januar 2025) zeigten ein Muster von Bitcoin-Kursrückgängen von 20 % bis 30 % innerhalb von 4 bis 6 Wochen.

Die Korrelation von Bitcoin mit traditionellen Märkten nimmt zu, was die Annahme eines eigenständigen Schutzes vor globalen Währungsstress widerlegt. Ein steigender Yen (fallender USD/JPY) gilt als Frühindikator für einen potenziellen Krypto-Abverkauf.