Bundesbankpräsident Joachim Nagel beleuchtet die potenziellen Vorteile von Stablecoins und digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) für die EU. Er betont das Potenzial zur Stärkung der europäischen Souveränität und Effizienz, warnt aber auch vor Risiken.
Stablecoins, insbesondere auf Euro lautende, könnten den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr für Unternehmen und Privatpersonen kostengünstiger gestalten und programmierbare Zahlungen für Finanzinstitute ermöglichen. Eine Wholesale-CBDC, also digitales Zentralbankgeld für Finanzinstitute, würde das Finanzsystem durch effizientere und widerstandsfähigere programmierbare Zahlungen mit Zentralbankgeld stärken.
Das Eurosystem entwickelt einen digitalen Euro (Retail-CBDC) als Ergänzung zum Bargeld. Diese paneuropäische digitale Zahlungslösung soll Bürgern eine schnelle, einfache und sichere Alternative bieten und die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr durch eine Reduzierung der Abhängigkeit von außereuropäischen Dienstleistern stärken.
Eine weitreichende Nutzung von Fremdwährungs-Stablecoins birgt die Gefahr einer ‚Dollarisierung‘ des Euroraums.
Bundesbankpräsident Nagel äußert Bedenken hinsichtlich der Nutzung von Stablecoins, die an Fremdwährungen wie den US-Dollar gekoppelt sind. Eine solche ‚Dollarisierung‘ könnte die Wirksamkeit der Geldpolitik der EZB schwächen und die internationale Rolle des Euro beeinträchtigen. Derzeit liegt der Anteil Euro-basierter Stablecoins am Markt unter einem Prozent.
Angesichts der schnellen technologischen Entwicklung fordert Nagel eine beschleunigte und robustere Regulierung von Stablecoins, um Risiken bei hoher Marktvolatilität entgegenzuwirken. Die EU hat mit der MiCA-Verordnung einen Regulierungsrahmen geschaffen, der diese Lücken schließen soll.
Die Einführung einer gesetzlichen Grundlage für den digitalen Euro wird für die zweite Jahreshälfte 2025 erwartet, mit einer möglichen Markteinführung ab 2029. Stablecoins und digitale Zentralbankwährungen werden als ergänzende Bestandteile eines digitalen Finanzökosystems betrachtet.




