Aave: Eskalierender Streit um Protokollfinanzierung und Governance

Ein eskalierender Governance-Streit erschüttert das Aave-Ökosystem, ausgelöst durch konkurrierende Berichte von Aave Labs und der Aave Chan Initiative (ACI) bezüglich der Finanzierung und Beiträge des Protokolls. Im Zentrum steht ein vorgeschlagenes Finanzierungspaket für Aave Labs in Höhe von rund 50 Millionen US-Dollar.

Aave Labs, das federführende Entwicklungsteam hinter dem Aave-Protokoll, hat das „Aave Will Win“-Framework vorgestellt. Dieser Vorschlag bittet die Token-Inhaber um die Genehmigung eines Finanzierungspakets von bis zu 42,5 Millionen US-Dollar in Stablecoins und 75.000 AAVE-Tokens. Der Stablecoin-Anteil teilt sich auf in 25 Millionen US-Dollar als Kernzuschuss und 17,5 Millionen US-Dollar, die an Produktmeilensteine geknüpft sind. Die 75.000 AAVE-Tokens hatten zum Zeitpunkt des Vorschlags einen Wert von etwa 8 Millionen US-Dollar.

Als Gegenleistung verpflichtet sich Aave Labs, 100 % der Einnahmen aus Aave-Markenprodukten wie aave.com, Aave App, Aave Card, Aave Pro und Aave Kit an die Aave DAO-Schatzkammer weiterzuleiten. Der Vorschlag sieht außerdem die Bestätigung von Aave V4 als langfristige technische Basis des Protokolls und die Gründung einer neuen Stiftung zur Verwaltung der Marke Aave vor. Aave Labs argumentiert, dass die Zählung von Governance-Vorschlägen oder Forumsbeiträgen nicht den gesamten Aufwand für Forschung, Entwicklung, Sicherheit und Infrastruktur widerspiegelt.

Aave Labs argumentiert, dass die Zählung von Governance-Vorschlägen oder Forumsbeiträgen nicht den vollen Umfang der Forschungs-, Entwicklungs-, Sicherheits- und Infrastrukturarbeiten widerspiegelt, die zur Aufrechterhaltung eines von Millionen von Nutzern verwendeten Protokolls erforderlich sind.

Die Aave Chan Initiative (ACI), ein Dienstleister der Aave DAO unter der Leitung von Marc Zeller, veröffentlichte hingegen einen Transparenzbericht, der die historische Finanzierung von Aave Labs kritisch beleuchtet. Laut Zellers Bericht hat Aave Labs insgesamt rund 86 Millionen US-Dollar erhalten, darunter 16,2 Millionen US-Dollar aus dem ICO von 2017, 32,5 Millionen US-Dollar aus Venture-Finanzierungen und 31,93 Millionen US-Dollar an direkten DAO-Zahlungen.

Die ACI stellte die Rechenschaftspflicht und finanzielle Offenlegung von Aave Labs in Frage und warf dem Unternehmen vor, rund 5,5 Millionen US-Dollar an Swap-Gebühren, die über das aave.com-Frontend generiert wurden, ohne Genehmigung der DAO auf unternehmenskontrollierte Adressen transferiert zu haben. Zeller schlug vor, zukünftige DAO-Zuschüsse anhand messbarer Umsatzwirkungen und klarerer Offenlegungsstandards zu bewerten. Kritisiert wurde auch die Performance des RWA-Marktplatzes Horizon von Aave Labs mit einem Ausgaben-Umsatz-Verhältnis von etwa 24:1.

ACI forderte eine Aufteilung der Abstimmung in separate Vorschläge für Finanzierung, Umsatzangleichung und V4-Ratifizierung, um eine gezieltere Risikobewertung zu ermöglichen.

Der aktuelle Streit verschärft frühere Spannungen im Aave-Ökosystem. Bereits im Dezember wurde ein Vorschlag zur Übertragung von Markenvermögen von Aave Labs an die DAO abgelehnt. Hinzu kommt, dass BGD Labs, ein wichtiger technischer Beitragszahler, seine Beteiligung an der DAO am 1. April beenden wird.