Digitaler Euro: EZB fokussiert Geldautomaten-Integration

Die Europäische Zentralbank (EZB) intensiviert die Vorbereitungen für die Einführung eines digitalen Euro. Ein zentraler Fokus liegt auf der Integration in Geldautomaten und Zahlungsterminals, um eine breite Akzeptanz und Benutzerfreundlichkeit zu gewährleisten.

Um die praktische Umsetzung zu fördern, hat die EZB innerhalb ihrer ‚Rulebook Development Group‘ (RDG) zwei neue Arbeitsstränge ins Leben gerufen. Der Arbeitsstrang G5 konzentriert sich spezifisch auf ‚Implementierungsspezifikationen für ATM- und Terminalanbieter‘. Ziel ist es, Regelungsvorschläge zu erarbeiten, die verschiedene Kommunikationstechnologien, die Integration für Offline-Transaktionen und die Wiederverwendung bestehender Standards, wie NFC und QR-Codes für Zahlungsinitiativen, berücksichtigen.

Ein weiterer Arbeitsstrang, B1, befasst sich mit dem ‚Zertifizierungs- und Zulassungsrahmen‘ für Zahlungs- und Akzeptanzlösungen sowie die Infrastruktur von Zahlungsdienstleistern (PSPs) im digitalen Euro-Ökosystem. Diese Bemühungen sollen eine standardisierte Zahlungserfahrung im gesamten Euroraum sicherstellen und eine nahtlose Integration in bestehende Zahlungsinfrastrukturen ermöglichen.

Eine Kernfunktion des digitalen Euro wird die Möglichkeit sein, Zahlungen auch ohne Internetverbindung durchzuführen, was die Widerstandsfähigkeit erhöht.

Diese Offline-Funktionalität ist entscheidend für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Zahlungssystems, insbesondere in Gebieten mit schlechter Konnektivität oder in Notfallsituationen. Sie soll eine dem Bargeld ähnliche Privatsphäre bieten und ermöglicht die Speicherung digitaler Euro bis zu einer Obergrenze auf Endgeräten, ähnlich der Bargeldversorgung durch Geldautomaten.

Das Eurosystem plant eine mögliche Erstausgabe des digitalen Euro bis 2029. Zuvor ist ein 12-monatiges Pilotprojekt für die zweite Jahreshälfte 2027 angesetzt, an dem eine begrenzte Anzahl von Händlern, Eurosystem-Mitarbeitern und Zahlungsdienstleistern teilnehmen wird. Eine politische Entscheidung über die gesetzliche Grundlage wird bis Mai 2026 erwartet.

Die geschätzten Entwicklungskosten bis zur ersten Ausgabe belaufen sich auf rund 1,3 Milliarden Euro, mit jährlichen laufenden Kosten von etwa 320 Millionen Euro. Die Kreditwirtschaft schätzt die Einführungskosten für Banken jedoch deutlich höher ein, mit potenziellen Kosten von bis zu 30 Milliarden Euro.

Die Deutsche Kreditwirtschaft äußert Bedenken hinsichtlich der Komplexität und der potenziellen Auswirkungen des digitalen Euro auf das Geschäftsmodell von Banken.