Die fortschreitende Entwicklung und zunehmende Regulierung von Stablecoins birgt laut Experten erhebliche Risiken für traditionelle Banken. Es wird befürchtet, dass insbesondere Kundeneinlagen und der Zahlungsverkehr stärker betroffen sein könnten als die Krypto-Branche selbst.
Stablecoins, digitale Währungen, die ihren Wert an Fiatwährungen wie den US-Dollar koppeln, dienen als stabile Anlage während des Handels mit volatileren Kryptowährungen und ermöglichen schnelle, kostengünstige internationale Zahlungen. Marktführer wie Tether (USDT) und USD Coin (USDC) dominieren das Feld. Anfang Oktober 2025 überstieg die Marktkapitalisierung aller Stablecoins erstmals 300 Milliarden US-Dollar.
Die Europäische Union hat mit der ‚Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR)‘ einen Rechtsrahmen geschaffen, der E-Geld-Tokens (EMTs) und vermögenswertreferenzierte Tokens (ARTs) unterscheidet. In den USA zielt der ‚Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act‘ (GENIUS Act) auf eine Deckung von 1:1 mit Bargeld oder kurzlaufenden US-Staatsanleihen ab und verbietet Zinsausschüttungen auf Stablecoins.
Ein zentrales Risiko für Banken ist der potenzielle Abfluss von Kundeneinlagen hin zu Stablecoins, insbesondere wenn diese höhere Zinsen bieten. Analysten schätzen, dass dies die Kerneinlagen von Banken um 3 % bis 5 % reduzieren und die durchschnittlichen Bankgewinne um etwa 3 % schmälern könnte. Prognosen gehen von einem möglichen Abfluss von 500 Milliarden US-Dollar aus Banken in Industrieländern in den nächsten drei Jahren aus.
Ein Rückgang der Einlagen könnte die Kreditvergabe der Banken einschränken und ihr margenstarkes Provisions- und Devisengeschäft durch effizientere Zahlungsabwicklungen mit Stablecoins untergraben.
Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt zudem vor einer möglichen Schwächung der Geldpolitik durch die zunehmende Verbreitung von Stablecoins, die die Kontrolle der EZB über die Finanzbedingungen beeinträchtigen könnte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bereits vor Liquiditätsrisiken und möglichen Bankruns bei Stablecoins gewarnt.
Vertreter der Krypto-Branche sehen die Sorgen der Banken teils als unbegründet an und argumentieren, dass Stablecoins Innovation fördern und das globale Finanzsystem effizienter gestalten könnten. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Notwendigkeit der Deckung von Stablecoins durch Bankeinlagen und Staatsanleihen zu mehr Bankaktivitäten führen könnte.
Trotz der regulatorischen Debatten entwickeln auch traditionelle Finanzinstitute und große Technologieunternehmen wie PayPal, Visa und Mastercard eigene Stablecoin-Projekte oder Dienstleistungen. Europäische Banken wie die Commerzbank, Deutsche Bank und DZ Bank experimentieren ebenfalls mit digitalen Asset-Angeboten.




